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Medizin & Gesundheit

Was heiße Fette mit der Evolution zu tun haben

Beim Braten und Backen verändert Hitze die Fette in Lebensmitteln. Was diese Veränderungen im Körper bewirken und ob sich Lebewesen daran anpassen, ist kaum erforscht. Ein Dresdner Forschungsteam sucht mit Fruchtfliegen Antworten.

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Fruchtfliege über einem Tropfen Öl
Eine Fruchtfliege über einem Tropfen Öl. Forschende wollen mit den Tieren untersuchen, wie erhitzte Nahrungsfette wirken und ob sich Fliegen über Generationen daran anpassen. © AG Marko Brankatschk

Die Pfanne zischt, das Öl wird heiß, gleich kommen die Bratkartoffeln hinein. Doch was macht Hitze mit dem Fett? Und was machen erhitzte Fette mit uns? Forschende in Dresden wollen das herausfinden. Helfen soll ihnen ein winziges Tier, die Fruchtfliege.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert dafür eine neue Forschungsgruppe an der Technischen Universität Dresden (TUD) mit rund 3,1 Millionen Euro für vier Jahre. Biologie-Professor Klaus Reinhardt leitet die Gruppe. Der Schweizerische Nationalfonds fördert das Projekt mit.

Kochen, Braten und Backen gehören seit Jahrtausenden zum Alltag. Hitze macht Speisen leichter verdaulich und verändert ihre Chemie. Wie erhitzter Zucker und erhitztes Eiweiß wirken, ist gut erforscht. Über die Wirkung von Fetten, sogenannten Lipiden, nach dem Erhitzen weiß man dagegen wenig. Die Forschenden interessiert dabei nicht nur, was solche veränderten Fette im Körper bewirken. Sie wollen auch wissen, ob sich Lebewesen über viele Generationen an sie anpassen können.

Fruchtfliegen als Versuchstiere

Sieben Arbeitsgruppen der TUD und des Universitätsklinikums Dresden arbeiten dafür mit einem Schweizer Forschungsteam zusammen. Sie kommen aus Biologie, Lebensmittelchemie und molekularer Medizin. Zunächst wollen sie herausfinden, was beim Erhitzen mit pflanzlichen und tierischen Fetten passiert. Dann geht es um die Folgen. Wie wirken die veränderten Fette auf die Tiere? Und passen sich die Fliegen über viele Generationen daran an?

Die Fruchtfliege eignet sich dafür gut. Sie lebt kurz und vermehrt sich schnell. So lassen sich die Folgen verschiedener Nahrungsfette über viele Generationen beobachten. Im Blick haben die Forschenden vor allem die Fortpflanzung und die Frage, wie sich die Tiere an unterschiedliche Nahrungsangebote anpassen.

Ein offenes Labor für alle

"Die Ergebnisse aus den Fliegen lassen sich zwar nicht unmittelbar auf den Menschen übertragen, allerdings sind viele grundlegende biologische Prozesse und Transportsysteme für Lipide zwischen Fliegen und Menschen vergleichbar", erklärt Marko Brankatschk, Vertretungsprofessor für Zell- und Molekularbiologie der Pflanzen an der TUD. Langfristig wolle das Team deshalb klären, was die Ergebnisse für die Ernährung und Evolutionsgeschichte des Menschen bedeuten könnten.

Die Forschenden wollen mit dem Thema auch in die Schulen gehen. In speziellen Bildungsangeboten sollen Schüler erfahren, was Ernährung mit Chemie, Biologie und Evolution zu tun hat. Später soll ein "Open Lab" entstehen, ein offenes Labor. Dort können Interessierte eigene Lebensmittelproben mitbringen und gemeinsam mit den Wissenschaftlern untersuchen, wie die Fette aus den Proben auf Fruchtfliegen wirken.