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Umwelt & Klima

Nur fünf Prozent der Baufirmen erfassen CO₂

In jedem Liter Diesel und in jeder Tonne Zement steckt ein Preis fürs Klima. Bauunternehmen zahlen ihn längst. Wie viel CO₂ sie selbst ausstoßen, weiß aber kaum eine Firma.

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Bauunternehmen bei Arbeiten an einem neuen Wohnhaus.
Ob Baustoffe, Maschinen oder Transporte: Beim Hausbau entsteht CO₂. Laut einer Studie der TU Dresden erfassen nur fünf Prozent der deutschen Baufirmen ihren CO₂-Ausstoß. © pixabay

Wer Diesel tankt, zahlt fürs Klima mit. Seit 2021 steckt in jedem Liter ein Aufschlag für das Treibhausgas Kohlenstoffdioxid, also CO₂. Bauunternehmen zahlen solche Aufschläge an vielen Stellen. Sie stecken im Treibstoff für den Bagger, im Strom, im Zement, in der Lkw-Maut und in der Entsorgung. Doch wie viel Kohlendioxid die Unternehmen selbst verursachen, erfassen die wenigsten systematisch.

Das zeigt eine Studie der Technischen Universität Dresden (TUD). Forscher der Fakultät Wirtschaftswissenschaften befragten dafür im Winter 2025/2026 bundesweit 601 Bauunternehmen. Nur fünf Prozent erfassen demnach ihren CO₂-Fußabdruck. Er gibt an, wie viele Treibhausgase ein Unternehmen innerhalb eines Jahres verursacht. Dazu zählt auch CO₂, das bei der Herstellung der eingekauften Baustoffe entsteht. 

Die Ergebnisse haben die Forscher zunächst in einem Studienbericht veröffentlicht. Eine von unabhängigen Fachleuten begutachtete wissenschaftliche Veröffentlichung steht noch aus.

Über 60 Unternehmen aus Sachsen dabei

22 Prozent der befragten Unternehmen berücksichtigen CO₂-Emissionen oder Umweltkosten bei der Kalkulation ihrer Bauprojekte. Kleine Betriebe tun das ungefähr genauso oft wie große. Beim CO₂-Fußabdruck sieht es anders aus. Von den Kleinstbetrieben mit weniger als zehn Beschäftigten erfassen ihn zwei Prozent, von Firmen ab 250 Beschäftigten 38 Prozent.

Aus Sachsen haben 64 Unternehmen mitgemacht. Hier erfassen nur drei Prozent ihre Emissionen systematisch. Jeder fünfte Betrieb berücksichtigt CO₂ oder Umweltkosten aber bereits bei seinen Bauprojekten.

"Kleinere Bauunternehmen rechnen CO₂ genauso oft in ihre Angebote ein wie große", sagt Studienleiter Philipp Richter. "Ihren eigenen Ausstoß kennen sie kaum, obwohl die Daten in jeder Buchhaltung liegen." Es fehle nur die Entscheidung, hinzuschauen.

Der Druck kommt über Umwege

Nach den neuen EU-Regeln müssen nur noch sehr große Unternehmen über ihre Emissionen berichten. Das Thema erreicht trotzdem auch kleine Firmen. Große Auftraggeber fragen bei ihren Nachunternehmern nach. Bei bestimmten öffentlichen Aufträgen fließt der CO₂-Ausstoß in die Bewertung ein. Auch Banken berücksichtigen Klimarisiken bei der Kreditvergabe.

Hinzu kommen neue Anforderungen an Gebäude. Nach einer EU-Richtlinie muss ab 2028 für Neubauten mit mehr als 1.000 Quadratmetern Nutzfläche eine CO₂-Bilanz über den gesamten Lebenszyklus erstellt werden. Ab 2030 gilt die Vorgabe für alle Neubauten. Dabei zählt nicht nur, wie viel Energie ein Gebäude später verbraucht. Auch die Herstellung der Baustoffe, der Bau und der spätere Abriss werden berücksichtigt.

Im Branchenvergleich liegt die Bauwirtschaft zurück. Laut einer älteren Erhebung der staatlichen Förderbank KfW kennen über alle Branchen hinweg rund 16 Prozent der Unternehmen in Deutschland ihren CO₂-Fußabdruck. Die Dresdner Forscher weisen allerdings darauf hin, dass die Befragungen nicht unmittelbar vergleichbar sind.

Viele Daten liegen bereits vor

Dabei verursacht die Bauwirtschaft erhebliche Mengen an Treibhausgasen. Nach Angaben des UN-Umweltprogramms entfallen rund 37 Prozent der weltweiten energie- und prozessbedingten CO₂-Emissionen auf den Bau und Betrieb von Gebäuden. Besonders ins Gewicht fallen die Herstellung von Baustoffen wie Zement und Stahl sowie das Heizen und Kühlen der Gebäude.

Die Dresdner Wissenschaftler sehen deshalb ungenutztes Potenzial. Wer seine Emissionen erfasst, kann beispielsweise erkennen, wo Maschinen viel Diesel verbrauchen oder sich Energie sparen lässt. Das könnte auch die Betriebskosten senken.

Für einen ersten Überblick müssen die Unternehmen nicht bei null anfangen. Rechnungen für Diesel, Heizöl, Gas und Strom liegen meist schon in der Buchhaltung. Aus den Verbrauchsmengen lässt sich berechnen, wie viel Kohlendioxid dadurch entsteht. Für eine umfassendere Bilanz kommen Daten zu Baustoffen, Transporten und Entsorgung hinzu.

Wie verbreitet die CO₂-Erfassung tatsächlich ist, könnte die Studie sogar noch überschätzen. Die Forschenden vermuten, dass Unternehmen, die sich bereits mit dem Thema beschäftigen, eher an der Befragung teilgenommen haben.


Studienbericht:
Richter, P. & Leistner, P. (2026): CO₂-Management in der deutschen Bauwirtschaft. Benchmark und Wegweiser für den Mittelstand. Studienbericht. Technische Universität Dresden.