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Blutkrankheit MDS lässt Knochen im Zeitraffer altern

Menschen mit der Blutkrankheit MDS haben häufig eine geringere Knochendichte. Das zeigt eine Studie des Universitätsklinikums Dresden. Die Ergebnisse könnten die medizinische Betreuung verändern.

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Blutproben in einem medizinischen Labor
Bei der Bluterkrankung MDS ist die Bildung neuer Blutzellen gestört. Eine Studie aus Dresden zeigt, dass Betroffene häufig auch eine geringere Knochendichte haben. © Adrian Sulyok/Unsplash

Wer an einer schweren Erkrankung der Blutbildung leidet, hat möglicherweise auch ein erhöhtes Risiko für Knochenschwund. Darauf deutet eine Studie des Universitätsklinikums Dresden hin. Die Forschenden untersuchten Menschen mit einer bestimmten bösartigen Blutkrankheit und stellten fest: Ihre Knochendichte war geringer als die gleichaltriger Menschen ohne diese Erkrankung. Das könnte Folgen für die medizinische Betreuung haben.

Es geht um sogenannte myelodysplastische Neoplasien, kurz MDS. Bei dieser Erkrankung funktioniert die Blutbildung im Knochenmark nicht mehr richtig. Das Knochenmark ist ein weiches Gewebe im Inneren der Knochen, in dem neue Blutzellen entstehen. Bei MDS werden häufig zu wenige funktionsfähige Blutzellen gebildet. Viele Betroffene leiden deshalb unter Blutarmut, manche benötigen regelmäßig Bluttransfusionen. 

In Deutschland erkranken jährlich mehrere Tausend Menschen neu an MDS. Besonders häufig trifft es ältere Menschen. Bisher konzentriert sich die Behandlung vor allem auf die gestörte Blutbildung. Wie es um die Knochen der Erkrankten steht, wurde dagegen weniger beachtet.

Knochen altern im Zeitraffer

Genau das wollten Forschende aus Dresden genauer untersuchen. Für die Studie BoHemE, die 2016 gestartet wurde, begleiteten sie 111 Menschen mit MDS über drei Jahre. Zum Vergleich untersuchten sie 84 gleichaltrige Personen ohne die Erkrankung. Beteiligt waren neben dem Universitätsklinikum Dresden auch das Universitätsklinikum Leipzig und weitere Forschungspartner.

Ein wichtiges Maß war die Knochendichte. Sie gibt Hinweise darauf, wie stabil die Knochen sind. Je geringer die Knochendichte, desto größer kann das Risiko für Knochenbrüche sein.

Schon zu Beginn der Untersuchung hatten die Menschen mit MDS eine geringere Knochendichte als die Vergleichsgruppe. Während der folgenden drei Jahre nahm sie weiter ab. "Bei MDS scheint der Alterungsprozess des Knochens quasi im Zeitraffer abzulaufen", sagt Prof. Lorenz Hofbauer, Leiter des UniversitätsCentrums für Gesundes Altern am Dresdner Uniklinikum.

Noch etwas fiel auf. Wer bereits zu Studienbeginn an Osteoporose litt, hatte insgesamt eine schlechtere Überlebensprognose. Bei Osteoporose verlieren die Knochen an Substanz und können leichter brechen. Ob die Erkrankung selbst zu einer geringeren Lebenserwartung beiträgt oder andere gesundheitliche Faktoren dahinterstehen, lässt sich aus der Studie allerdings nicht ableiten.

Was Blut und Knochen verbindet

Die Forschenden fanden außerdem Hinweise auf mögliche biologische Zusammenhänge. So war eine bestimmte Veränderung im Gen DNMT3A in blutbildenden Zellen mit einer geringeren Knochendichte verbunden. Auch niedrige Kalziumwerte traten bei Menschen mit geringer Knochendichte oder Osteoporose häufiger auf. Kalzium ist ein wichtiger Bestandteil der Knochen.

Warum diese Veränderungen zusammen auftreten, ist noch nicht geklärt. Die Ergebnisse legen aber nahe, dass Blutbildung, Knochenstoffwechsel und Alterungsprozesse enger miteinander verbunden sein könnten als bisher angenommen. "Die Ergebnisse sind für unser Verständnis von Alterungsprozessen relevant", sagt Hofbauer. Denn MDS tritt vor allem in einer Lebensphase auf, in der auch Muskelkraft, Knochenmasse und körperliche Reserven abnehmen.

Für die Forschenden ergibt sich daraus eine praktische Konsequenz. Bei Menschen mit der Blutkrankheit MDS sollte künftig stärker auf die Knochengesundheit geachtet werden. "Die Botschaft der BoHemE-Studie ist deshalb klar: Wer MDS umfassend behandeln will, sollte auch die Knochengesundheit im Blick behalten", sagt Hofbauer. Eine mögliche Osteoporose könnte so frühzeitig erkannt und behandelt werden. Ob eine solche Behandlung auch die Lebenserwartung von Menschen mit MDS verbessert, hat die Studie allerdings nicht untersucht.


Originalpublikation:
Weidner, H., Tsourdi, E., Platzbecker, A.S. et al. Bone health in myelodysplastic neoplasms: results from the prospective longitudinal BoHemE study. Leukemia (2026).