Holzfaserdämmung ohne Erdöl? Neue Klebefaser im Test
Holzfaserdämmmatten enthalten bislang meist Kunststofffasern aus Erdöl. Forschende des IHD Dresden testen nun eine Alternative aus Cellulose und wollen damit auch das Recycling erleichtern.
Immer mehr Menschen setzen beim Hausbau auf natürliche Materialien. Holzfasern werden zum Dämmen von Häusern eingesetzt. Ganz ohne Kunststoff kommen solche Dämmmatten bislang allerdings meist nicht aus. Zwischen den Holzfasern stecken spezielle Kunststofffasern, die alles zusammenhalten. Sie bestehen aus Erdöl und erschweren später das Recycling.
Das Institut für Holztechnologie Dresden (IHD) und die Deutschen Institute für Textil- und Faserforschung Denkendorf (DITF) suchen deshalb nach einer Alternative. Im Projekt "CelluWoodFlex" entwickeln sie neue Bindefasern aus biobasierten Celluloseestern.
Cellulose statt Erdöl
Cellulose ist ein Naturstoff und unter anderem ein wichtiger Bestandteil von Holz und Baumwolle. Für die neuen Bindefasern verwenden die Forschenden sogenannte Celluloseester, die aus Cellulose hergestellt werden. Das Material liegt zunächst als Granulat vor. Es wird geschmolzen und zu feinen Fasern gesponnen. Anschließend werden die Fasern zugeschnitten und unter die Holzfasern gemischt. Beim Herstellen der Dämmmatte verbinden sie die Holzfasern miteinander.
Die Idee dahinter geht über den Ersatz von Erdöl hinaus. Nach dem Gebrauch sollen sich Holz- und Bindefasern möglichst wieder voneinander trennen lassen. Beide könnten dann erneut als Rohstoffe genutzt werden. Ob das tatsächlich funktioniert, ist noch offen.
Erste Dämmmatten hergestellt
Für erste Versuche färbten die Forschenden die neuen Bindefasern rot. So konnten sie sehen, wie gleichmäßig sie sich unter den Holzfasern verteilen. Das funktionierte nach Angaben des IHD zufriedenstellend. Auch erste flexible Dämmmatten mit den neuen Fasern wurden bereits hergestellt.

Damit ist allerdings noch nicht gezeigt, dass sich die neuen Fasern für den Einsatz in Holzfaserdämmungen eignen. Das Projekt steht noch am Anfang. Als Nächstes möchte das DITF die Herstellung verschiedener Celluloseesterfasern verbessern. Am IHD wird gleichzeitig daran gearbeitet, wie sich die Fasern dosieren und in die bestehende Produktion der Dämmmatten einbinden lassen.
Spätere Versuche müssen zeigen, wie gut die neuen Fasern die Matten zusammenhalten. Auch die entscheidende Recyclingfrage ist noch offen: Lassen sich Holz- und Bindefasern nach der Nutzung tatsächlich wieder trennen und erneut verwenden? Vierzehn Partner aus Wissenschaft, Industrie, Wirtschaft und Baugewerbe begleiten das Projekt. Gefördert wird "CelluWoodFlex" vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.