Allpacka-Box: Vom WG-Zimmer auf Deutschlands Gepäckträger
Es begann mit einem Einkaufsproblem. Heute fertig Allpacka die faltbare Fahrradbox in Serie. Warum der Weg vom Prototyp zum fertigen Produkt schwierig war.
Nach der Vorlesung noch schnell in den Supermarkt. Lukas Ludwig studierte vor ein paar Jahren Elektrotechnik an der TU Dresden. Am Ende des Unitags erledigte er häufig noch Einkäufe für seine WG. Doch die Fahrradtaschen hatte er nicht immer dabei. Wenn der Rucksack schon voll war, wurde der Transport auf dem Fahrrad schwierig. Es war der Startpunkt für das Start-up Allpacka.
"Zusammen haben wir damals nach einer Lösung gesucht", erzählt WG-Mitbewohnerin Daniela Weiß heute. Sie studierte Maschinenbau. Die beiden wollten eine Transportbox fürs Fahrrad entwickeln, die sich bei Bedarf aufklappen lässt, ansonsten aber kaum Platz braucht. Der erste Prototyp entstand 2020 auf der Terrasse ihrer Dresdner WG. Er bestand aus Holz und war noch ziemlich unhandlich.
Doch die Idee ließ die beiden nicht mehr los. Immer wieder veränderten sie die Konstruktion, probierten neue Materialien aus und verbesserten den Klappmechanismus. Insgesamt entstanden in den darauffolgenden Jahren 24 Prototypen. Mehr als 20 Testpersonen legten mit den verschiedenen Modellen über 5.000 Kilometer zurück. Ihre Erfahrungen flossen in die Weiterentwicklung ein.
2024 gründeten Ludwig und Weiß schließlich gemeinsam mit dem Betriebswirtschaftler Jonathan Vincentz die Allpacka GmbH. Ein Jahr später erhielt das Unternehmen ein deutsches Patent auf seinen Klappmechanismus.
Wenn ein Fehler tausendfach auftaucht
Dass die Erfindung auf Interesse stößt, zeigte sich bereits bei einer Crowdfunding-Kampagne im Herbst 2024. Innerhalb der ersten Stunde kamen Bestellungen im Wert von rund 30.000 Euro zusammen. Nach einem Monat waren es etwa 150.000 Euro. Mehr als 1.100 Menschen unterstützten das Projekt. Später kamen rund 500 weitere Vorbestellungen hinzu. Für die Gründer war das ein Erfolg. Zugleich bedeutete es, dass sie nun liefern mussten.
Doch aus einer Erfindung ein Serienprodukt zu machen, erwies sich als nächste große Aufgabe. "Wir wussten, dass es noch mal ein Brocken wird. Aber das Pensum war immens", erzählt Weiß. Besonders die Formen für die Kunststoffteile kosteten Zeit. Sie werden im Spritzgussverfahren gefertigt. Erhitzter Kunststoff wird in eine Form gepresst, aus der immer wieder identische Bauteile entstehen. Die Form selbst ist teuer und lässt sich später nur mit großem Aufwand ändern. "Die musste also perfekt sein", schildert sie weiter.
Immer wieder habe das Team vor der Wahl gestanden, noch einmal mehrere Tage in ein Detail zu investieren oder einen Fehler in Kauf zu nehmen. "Aber die Serie verzeiht einem keine Fehler. Den hättest du sonst bei jedem Produkt."
30 Liter in einer Sekunde
Im August 2026 begann schließlich die Serienfertigung. Die Kunststoffteile kommen von einem spezialisierten Betrieb aus Deutschland, Schrauben, Federn und Ösen von weiteren Lieferanten. Zusammengesetzt werden die Boxen bei Allpacka selbst, an Montagestandorten in Leipzig und Dresden. "Wenn es gut läuft, montieren wir bis zu 300 Boxen in der Woche", berichtet die Gründerin. Dauerhaft soll es bei diesem Tempo nicht bleiben. Zunächst muss das Team den Berg an Vorbestellungen abarbeiten. Laut Unternehmen waren im Oktober bereits mehr als 700 Boxen ausgeliefert.

Die fertige Box trägt den Namen Allpacka One. Zusammengeklappt liegt sie kompakt auf dem Gepäckträger. Mit einem Handgriff lässt sie sich innerhalb einer Sekunde öffnen. Dann stehen 30 Liter Stauraum zur Verfügung. Die Box kann mit bis zu 20 Kilogramm beladen werden, genug beispielsweise für eine Getränkekiste. Wer öfter Dinge transportieren muss, braucht sich so nicht gleich ein Lastenrad oder einen Anhänger zuzulegen.
Aktuell arbeiten die Gründer daran, die Montageabläufe zu verbessern und mit eigenen Vorrichtungen Zeit zu sparen. Gleichzeitig müssen sie Aufgaben übernehmen, die es in der Entwicklungsphase kaum gab. Kunden schreiben Nachrichten, haben Fragen zur Befestigung oder geben Rückmeldungen. Eine Montageanleitung liegt bereits vor, ein Video soll folgen.
Die Sache mit dem Preis
Eine weitere Herausforderung ist die Entscheidung, in Deutschland zu produzieren. Die Gründer wollen ein langlebiges Produkt anbieten, dessen Einzelteile sich bei Bedarf austauschen lassen. Die Box soll vollständig reparierbar sein. Um ihre Haltbarkeit zu überprüfen, hat das Team gemeinsam mit der TU Dresden einen Prüfstand entwickelt. Damit lassen sich Belastungen untersuchen, denen die Konstruktion im Alltag ausgesetzt ist.
Doch die Herstellung in Deutschland hat ihren Preis. Die einfachste Ausführung der Allpacka One kostet inzwischen fast 170 Euro. Bei der Kickstarter-Kampagne hatten die Unterstützer noch deutlich weniger bezahlt. Auf Messen erlebt Weiß, dass manche Interessenten angesichts des Preises zögern. "Ich kann es verstehen, aber geeignete Lieferanten zu finden und die eigenen Qualitätsansprüche umzusetzen, das kostet alles."
Zusätzliche Aufmerksamkeit dürfte Allpacka jetzt durch einen Fernsehauftritt bekommen. Lukas Ludwig und Jonathan Vincentz stellten ihre Erfindung bei der VOX-Sendung "Die Höhle der Löwen" vor.

An neuen Ideen mangelt es den Gründern nicht. Sie denken über weitere Varianten der Box nach und darüber, wie sich auch an der Vorderseite eines Fahrrads zusätzlicher Stauraum schaffen ließe. Außerdem suchen sie nach Möglichkeiten, die Kombination ihrer Box mit Fahrradtaschen noch einfacher zu machen. "Wir wollen aus dem normalen Fahrrad so viel wie es geht rausholen", sagt Weiß.