Unter dem Burgwall liegt noch viel mehr Geschichte
Der Pilatsch an der Unteren Havel ist als slawischer Burgwall bekannt. Eine Grabung zeigt nun, dass Menschen den Ort schon viel früher nutzten. Forschende aus Leipzig, Tübingen und vom UFZ suchen nach ihrer Geschichte.
Flüsse liefern Wasser, Fische und fruchtbare Böden. Deshalb siedeln Menschen seit Jahrtausenden an ihren Ufern. Doch Flüsse verändern sich und die Menschen verändern die Flüsse. Wie eng beides zusammenhängt, untersuchen Forschende aus Leipzig, Tübingen und vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung an der Unteren Havel in Brandenburg.
Bei Gülpe liegt dort der Pilatsch, ein slawischer Burgwall. Das ist eine Befestigung aus aufgeschütteter Erde. Sie liegt in einer Aue, also im flachen Land am Fluss, das die Havel über lange Zeit geprägt hat.
Erst messen, dann graben
Seit 2025 erkunden die Forschenden den Ort zunächst vor allem mit Methoden, die den Boden kaum verändern. Sie leiten Strom durch den Boden, messen das Magnetfeld und blicken mit Radar in die Tiefe. So bekamen sie Hinweise darauf, wie Wall und Gräben aufgebaut sind und wo Siedlungsflächen gelegen haben könnten. Im Spätsommer 2026 folgte erstmals eine Grabung.
"Durch die bisherigen Untersuchungen haben wir inzwischen ein ungefähres Bild davon, welche Strukturen sich unter der heutigen Geländeoberfläche verbergen könnten", erklärt Dr. Anne Köhler vom Institut für Geographie der Universität Leipzig. "Mit der Grabung können wir diese Interpretationen nun erstmals unmittelbar im Boden überprüfen und mit archäologischen Befunden und Funden datieren und interpretieren."
Das Team öffnete nur eine kleine Fläche und grub von Hand. Es will klären, wie Wall und Gräben gebaut wurden, aus welcher Zeit sie stammen und wann Menschen den Ort nutzten.
Spuren aus der Jungsteinzeit
Der Pilatsch ist heute vor allem als slawischer Burgwall bekannt. Die Funde zeigen aber, dass Menschen den Ort schon viel früher nutzten. Das Team stieß auch auf Spuren aus der Jungsteinzeit und der vorrömischen Eisenzeit.
Die ausgehobene Erde wird gesiebt und mit Wasser ausgeschwemmt. So lassen sich auch kleine Funde entdecken, darunter Keramikscherben, Schlacken und Tierknochen. Sie können Hinweise darauf geben, wie Menschen hier lebten und den Ort nutzten.
Auch der Boden selbst erzählt einen Teil der Geschichte. Proben aus verschiedenen Schichten sollen zeigen, welche Ablagerungen natürlich entstanden sind und wo Menschen die Landschaft beeinflusst haben. Auf diese Weise wollen die Forschenden die Geschichte des Fundplatzes mit der Entwicklung der Havel und ihrer Auen verbinden.
Beteiligt sind Fachleute der Universität Leipzig, der Universität Tübingen und des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ). Studierende aus Tübingen arbeiteten bei der Grabung mit. Das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologische Landesmuseum begleitet die Untersuchungen.
"Gerade die Verbindung von Archäologie, Geoarchäologie und modernen Erkundungsmethoden eröffnet uns die Möglichkeit, den Burgwall nicht isoliert zu betrachten", sagt Prof. Dr. Christoph Zielhofer, Geograph an der Universität Leipzig. Das Team will herausfinden, warum Menschen gerade diesen Ort für den Burgwall wählten und wie sich ihre Nutzung und die natürliche Entwicklung der Flusslandschaft gegenseitig beeinflussten.
Nun werden Funde, Bodenproben und Messdaten ausgewertet. Sie sollen helfen, die Besiedlungsgeschichte des Pilatsch genauer zu rekonstruieren. Von den frühen Spuren menschlicher Nutzung bis zum slawischen Burgwall.